Zum vierten Mal in Folge arbeiten der Landesfeuerwehrverband (LFV) Bayern und das Dräger-Team Hand in Hand, um Atemschutzgeräteträgern im Freistaat eine Ausbildung unter realen Bedingungen zu ermöglichen.
Gefördert und finanziert wird das ambitionierte Projekt vollständig durch das Bayerische Staatsministerium des Inneren, für Sport und Integration.
Gilching, Bayern. Bis 2028 wird die mobile, holzbefeuerte Brandübungsanlage „Fire Dragon 1000“ an rund 60 Standorten in ganz Bayern haltmachen. Mit einem erweiterten Konzept und modernster Technik geht das bewährte Training in die nächste Phase – voll finanziert und maßgeschneidert für die Praxis.
Seit 2015 trainieren bayerische Feuerwehren mit einer mobilen Anlage von Dräger reale Einsatzszenarien unter praxisnahen Bedingungen. Bislang haben rund 16.000 Atemschutzgeräteträger an den Trainings teilgenommen.

Der Trainingscontainer Fire Dragon 1000 bei der Auftaktveranstaltung bei der Feuerwehr Gilching zur Fortführung der Kooperation von LFV Bayern und Dräger. Bild: Tom Stegmeier, Feuerwehr Fachjournal
Ein starkes Bündnis für die Sicherheit der Einsatzkräfte
Bei der feierlichen Auftaktveranstaltung am 16. Juli 2026 im oberbayerischen Gilching hob Bayerns Innenstaatssekretär Sandro Kirchner die Bedeutung dieses Meilensteins hervor:
„Mit der Eröffnung des vierten Förderzeitraums des Brandübungscontainers wird die praxisnahe Ausbildung der bayerischen Feuerwehren konsequent fortgesetzt. Dadurch sorgen wir dafür, dass unsere Feuerwehrfrauen und -männer auch künftig bestens auf schwierige Einsätze vorbereitet sind.”

Für zahlreiche interessierte Besucher aus Politik und Presse sowie Fernsehen wurde der Betrieb bei geöffneter Hecktür dargestellt. Bild: Tom Stegmeier, Feuerwehr Fachjournal
Seit dem Start des Projekts hat der Freistaat Bayern hierfür Haushaltsmittel in Höhe von fast fünf Millionen Euro bereitgestellt. Für die Feuerwehren vor Ort ist das Angebot komplett kostenfrei: Sowohl die Beschaffung als auch die gesamten Betriebs- und Schulungskosten über den dreijährigen Zeitraum (2026 bis 2028) werden ohne Eigenanteil der Kommunen oder Wehren getragen.
„Wir an der Basis sind für diese Unterstützung sehr dankbar. Eine vergleichbare Einrichtung könnte von Landkreis selbst nicht gestemmt werden. Der eingesetzte Container unterliegt ständigen Prüfungen. Die eingesetzten Trainer der Maßnahmen müssen Vollprofis mit entsprechenden Zertifizierungen sein, und die Trainer müssen durchgewechselt werden, pro Woche werden maximal vier Heissluftvorgänge erlaubt. Die Hitze im Container kann bis 900 Grad erreichen“,
Klaus Ringhoff, Kreisbrandmeister Bereich Atemschutz Kreisbrandinspektion Starnberg.

Zum vierten Mal in Folge führen der Landesfeuerwehrverband (LFV) Bayern und Dräger die Realbrandausbildung für bayerische Feuerwehren gemeinsam durch, finanziert vom Bayerischen Staatsministerium des Inneren, für Sport und Integration. Von 2026 bis 2028 kommt die holzbefeuerte Brandübungsanlage Fire Dragon 1000 an rund 60 Standorten in Bayern zum Einsatz. Bild: Tom Stegmeier, Feuerwehr Fachjournal
Realbrandausbildung stärkt Sicherheit und Einsatzkompetenz
Das Realbrandtraining vermittelt Handlungssicherheit, die sich nicht aus dem Lehrbuch ergibt. Moderne Bauweisen und der vermehrte Einsatz kunststoffhaltiger Materialien führen dazu, dass Brände heute häufig schneller verlaufen und für Einsatzkräfte gefährlicher sind als früher. Umso wichtiger ist für Atemschutzgeräteträger fundiertes Wissen über moderne Brandverläufe, wie es in solchen Trainings vermittelt wird. Einsatzkräfte wenden Wissen unter realen Bedingungen an, trainieren Abläufe bis zur Routine und lernen, auch unter körperlichem und psychischem Stress strukturiert zu agieren. Die hochwertige Ausbildung ist zugleich ein sichtbares Zeichen der Wertschätzung gegenüber den überwiegend ehrenamtlich tätigen Feuerwehrmitgliedern in Bayern.
Im Mittelpunkt der Atemschutzausbildung steht die realitätsnahe Erfahrung im Umgang mit Feuer und Rauch. Die Übungen dienen insbesondere der Gewöhnung an Hitze, dem richtigen Verhalten im Brandeinsatz sowie dem Schutz vor einer gefährlichen Raumdurchzündung, dem sogenannten ‚Flashover’.

Der Brandraum befindet sich erhöht über den Teilnehmern. Bild: Tom Stegmeier, Feuerwehr Fachjournal
Das erweiterte Konzept der „Realbrandausbildung 4.0“
Um den sich stetig verändernden Anforderungen im Brandeinsatz gerecht zu werden, wurde das Ausbildungskonzept für den neuen Zyklus gezielt weiterentwickelt. Mit neuen Elementen können Einsatzkräfte noch gezielter auf Anforderungen vorbereitet werden.
Die Ausbildung basiert nun auf drei zentralen Säulen:
- Systematische Lagebeurteilung: Das an den bayerischen Landesfeuerwehrschulen etablierte Ampelschema zur Lagebeurteilung wird nun systematisch direkt in die praktischen Trainings integriert.
- Fokus auf Einsatzhygiene: Neue Module vermitteln praxisnahe Maßnahmen zur Einsatzhygiene und korrekte Entkleidungsprozeduren unmittelbar nach dem Heißarbeitsgang. Dies reduziert die gesundheitliche Belastung der Einsatzkräfte durch giftige Rauchgase (Rauchgaskontamination) erheblich.
- Technische Upgrades im Container: Durch Neuerungen in der holzbefeuerten Anlage „Fire Dragon 1000“ lassen sich verschiedene, hochdynamische Brandverläufe in Gebäuden noch realistischer und gezielter simulieren.
„Dass wir die Realbrandausbildung in Bayern gemeinsam mit dem Landesfeuerwehrverband Bayern und dem Staatsministerium bereits in die vierte Runde führen, zeigt, wie wirkungsvoll das Konzept ist. Für uns ist das zugleich Ansporn, die Ausbildung kontinuierlich weiterzuentwickeln“,
Rainer Klug, Vorstand Sicherheitstechnik bei Dräger, betont die Bedeutung dieser kontinuierlichen Optimierung.

Optimiert wurde im neuen Modell des Fire Dragon 1000 eine größere Plattform, die Notausgangstür wurde versetzt um bessere Ventilationsmöglichkeiten in der Ausbildung zu ermöglichen, die gesetzlich geforderte Alarmanlage wurde ergänzt mit einer jetzt von innen und außen erreichbaren Schiffsglocke und auf der linken Seite findet sich ein zusätzliches Fenster um die Ventilationsmaßnahmen besser steuern zu können. Bild: Tom Stegmeier, Feuerwehr Fachjournal
Heißausbildungstraining unverzichtbar für Atemschutzträger und -trägerinnen
Der Brandeinsatz im Innenangriff stellt extreme körperliche und psychische Anforderungen an die Atemschutzgeräteträger. Gleichzeitig verändern moderne Baumaterialien und ein hoher Kunststoffanteil in Gebäuden das Brandverhalten massiv: Feuer verlaufen heute oft schneller, entwickeln höhere Temperaturen und bergen ein größeres Risiko für plötzliche Rauchgasdurchzündungen – den gefürchteten Flashover.
Gleichzeitig verschiebt sich das Einsatzgeschehen: Die Gesamtzahl der tatsächlichen Brände ging in den vergangenen Jahren zurück. Was einerseits eine erfreuliche Entwicklung ist, erschwert es andererseits gerade jungen Einsatzkräften, im realen Einsatz die nötige Erfahrung zu sammeln.
„Solche intensiven Trainings ermöglichen den Einsatzkräften, wichtige persönliche Erfahrungen zu sammeln und Fehlentscheidungen bis hin zu lebensgefährlichen Situationen im Ernstfall zu vermeiden“,
— Sandro Kirchner, Innenstaatssekretär

Start mit Teilnehmenden der Feuerwehr Gilching: Letzte Anweisungen vor dem Betreten des Fire Dragon 1000. Bild: Tom Stegmeier, Feuerwehr Fachjournal
Die Ausbildung im Überblick
| Parameter | Details |
| Zielgruppe | Atemschutzgeräteträger der bayerischen Feuerwehren (überwiegend Ehrenamtliche) |
| Bisherige Teilnehmende | Rund 16.000 Feuerwehrleute seit 2014 |
| Projektzeitraum (Phase 4) | 2026 bis 2028 |
| Haltepunkte | Ca. 60 Standorte flächendeckend in Bayern |
| Anlagentyp |
Feststoff- / holzbefeuerter Brandübungscontainer (Dräger Fire Dragon 1000) |
Wertschätzung für das Ehrenamt
Seit über einem Jahrzehnt ist die mobile Brandübungsanlage ein zentraler Baustein, um die Lücke zwischen Theorie und Praxis zu schließen. Johann Eitzenberger, Vorsitzender des LFV Bayern, stellt den direkten Nutzen für die Gesundheit der Einsatzkräfte in den Vordergrund:
„Der Einsatz unter Atemschutz zählt zu den gefährlichsten und herausforderndsten Einsatzarten im Feuerwehrdienst. Die Realbrandausbildung unterstützt unsere Feuerwehrkräfte dabei, die notwendige Routine zu entwickeln und stärkt das Vertrauen, sich auch unter Belastung richtig und sicher zu verhalten.“
Eitzenberger macht zudem deutlich, dass das Projekt auch ein Signal an die Einsatzkräfte selbst ist:
„Eine professionelle Ausbildung ist in Hinblick auf den Gesundheitsschutz unserer überwiegend ehrenamtlichen Einsatzkräfte essenziell – die Realbrandausbildung leistet hier einen entscheidenden Beitrag“.
Mit dem Start der „Realbrandausbildung 4.0“ investiert Bayern somit nicht nur in moderne Technik, sondern vor allem in die Menschen, die tagtäglich für die Sicherheit der Bevölkerung einstehen. Staatssekretär Kirchner brachte es zum Abschluss der Auftaktveranstaltung auf den Punkt:
„Der Brandübungscontainer steht für das, was unsere Feuerwehren stark macht: engagierte Ehrenamtliche, moderne Ausrüstung und eine Ausbildung, die auf den Ernstfall vorbereitet.“

Fahrzeughalle der Feuerwehr Gilching in der Seitenansicht. Bild: Tom Stegmeier, Feuerwehr Fachjournal













