Nach monatlicher Trockenheit sind vielerorts Bäume oder Äste von Bäumen abgestorben. Trockenes Erdreich hielt die Bäume fest verankert, bei anhaltendem ersten Regen kann ein Baumumsturz ausgelöst werden.
Das Aufweichen des Bodens nach langer Trockenheit ist einer der gefährlichsten Auslöser für den spontanen Umsturz abgestorbener sowie geschwächter Bäume (sogenannter „Sommerbruch“ bzw. Windwurf bei aufgeweichtem Boden).
Warum der Regen das Kippen auslöst
Verlust der Scherfestigkeit des Bodens: Trockener, lehmiger oder toniger Boden wirkt wie Beton – er hält die Wurzeln mechanisch extrem fest fest geklemmt. Tränkt Regen diesen Boden, weicht die Erdstruktur auf. Die Scherfestigkeit (der Widerstand gegen das Herusgleiten/Verrutschen der Wurzeln) bricht drastisch ein.

Spontaner Baumsturz: abgestorbener Ast saugt sich voll Wasser und fällt als Aststurz spontan, auch ohne Winde, nach unten. Bild: Tom Stegmeier, Feuerwehr Fachjournal
Gewichtszunahme des Baumes
Ein abgestorbener Baum saugt sich über das Totholz und die Rinde wie ein Schwamm mit Wasser voll. Dadurch nimmt die Kronen- und Stammmasse innerhalb kurzer Zeit massiv an Gewicht zu. Kommt der Baum mit nun erhöhter Masse in ein Ungleichgewicht und der Boden ist erweicht, addieren sich zwei Ursachen.
Zersetzte Wurzeln
Bei abgestorbenen Bäumen sind die feinen Verankerungswurzeln im Boden oft schon durch Pilze zersetzt oder vermodert. Solange der Boden trocken war, hielt die harte Erde den Wurzelballen zusammen. Sobald Schmierstoff (Wasser) hinzukommt, rutscht der Wurzelballen einfach aus dem Erdreich.

Baumsturz droht nach ersten Regenfällen im Spätsommer nach längerer Trockenheit. Bild: Tom Stegmeier, Feuerwehr Fachjournal
Forstwissenschaftliche Untersuchungen zu Sturmschäden (Windwurf)
In der Forstwissenschaft wird seit längerem dokumentiert, dass nicht nur die Windgeschwindigkeit, sondern der Bodenfeuchtegehalt der entscheidende Faktor für die Standfestigkeit sei. Nach Starkregen reiche oft schon eine leichte Böe – oder sogar nur das Eigengewicht des durchnässten Totholzes –, um Flachwurzler (wie Fichten) oder abgestorbene Bäume flachzulegen.
Das Phänomen des „Sommerbruchs“ oder „Sudden Branch Drop“
Baumpfleger und Forstämter warnen regelmäßig nach Hitze- und Trockenperioden vor schlagartig umstürzenden Bäumen oder abbrechenden Starkästen, sobald die ersten starken Regentage einsetzen. Nach extremen Dürresommern wie in Mitteleuropa in den Jahren 2018–2023 war in vielen deutschen Waldgebieten (z. B. im Harz oder im Sauerland) zu beobachten, dass abgestorbene Fichtenbestände während trockener Phasen stabil standen, aber nach spätsommerlichen Regengüssen reihenweise ohne großen Wind umkippten.

Über dem Spielplatz befindet sich ein abgestorbener Ast. Auch die Vertauung kann bei erheblichen Verdrehen keinen vollen Schutz vor dem Absturz bieten. Bild: Tom Stegmeieer, Feuerwehr Fachjournal
Praktische Warnung
Bei Aufenthalt in der Nähe solcher Bäume, denen oft der drohende Zustand nicht anzusehen ist, muss mit entsprechenden Baumumsturzen gerechnet werden. Der Bereich unter und neben offensichtlich abgestorbenen Bäumen nach Regenfällen soll dringend vermieden werden.
Das Risiko beschränkt sich nicht nur auf das Komplettumstürzen (Entwurzeln); oft brechen auch schwere, durchnässte Totholz-Äste unvorhersehbar ab.













