Zwei Großübungen in einer Woche, am 6. Juni am Flughafen Lübeck-Blankensee und am 9. Juni in Dänemark, bringen Beobachtende und Führungskräfte beider Länder zusammen und zeigen, wie sehr beide Seiten des Fehmarnbelts voneinander lernen können.
Innerhalb einer Woche hat das deutsch-dänische Interreg-Projekt FLASHLIGHT gleich zwei große Übungen zusammengeführt. Verbindender Grundgedanke beider Tage war es, in großen, komplexen Schadenslagen voneinander zu lernen: Wie agieren Führungskräfte unter Druck? Wie baut welche Organisation ihre Führungsstruktur auf? Und, mindestens ebenso wichtig, die Chance, die Köpfe hinter den Funktionen persönlich kennenzulernen und Vertrauen über die Grenze hinweg aufzubauen.

Einführung in die 1. Übung durch Jesper Koorsgard (Lolland-Falster Brandvæsen) mit Michael Hasselmann (KBM des Kreisfeuerwehrverbandes OH), Holger Bade (stellv. Leiter der haupt. Wachabteilung Feuerwehr Stadt Fehmarn) sowie Matthias Glaese (rdh. Rettungsdienst Holstein). © studio85 / Universität zu Lübeck
6. Juni 2026 – Großübung am Flughafen Lübeck-Blankensee
Den Auftakt bildete am 6. Juni eine interprofessionelle Großübung mit rund 350 Übenden auf dem Vorfeld des Flughafens Lübeck-Blankensee. Geübt wurden Erstmaßnahmen, Sichtung, Versorgung und Transport in einer komplexen Schadenslage (MANV). Für die deutschen und dänischen Beobachtenden stand dabei eine gemeinsame Frage im Mittelpunkt: Wie agieren die Führungskräfte in einer dynamischen Lage, und wie baut welche Organisation auf deutscher Seite, von Feuerwehr über Rettungsdienst bis ggf. Polizei, ihre jeweilige Führungsstruktur auf? Moderne Verfahren wie Eye-Tracking und Drohnenaufnahmen unterstützten die datenbasierte Auswertung.
Das Interesse an der Netzwerkveranstaltung war außerordentlich groß. Über 100 Personen aus allen Bereichen des Bevölkerungs-, Katastrophen- und Zivilschutzes aus ganz Schleswig-Holstein und darüber hinaus nahmen teil. Den fachlichen Austausch eröffnete bereits der Vorabend, an dem sich die Teilnehmenden bei einem gemeinsamen Abendessen über das Projekt und weiterführende Themen austauschten. Aus der Politik begleiteten unter anderem Staatssekretär Dr. Sönke Schulz (MIKWS) sowie die Vizepräsidentin des Schleswig-Holsteinischen Landtages, Beate Raudies (SPD), die Veranstaltung.
9. Juni 2026 – Grenzüberschreitende Führungsübung in Dänemark
Nur drei Tage später setzte sich die Übungswoche in Dänemark fort. Auf Einladung der dänischen Partner reisten zwölf deutsche Beobachterinnen und Beobachter (Universität zu Lübeck, Kreisfeuerwehrverband Ostholstein, Feuerwehr Fehmarn mit der hauptamtlichen Wachabteilung sowie Verwaltung der Stadt Fehmarn und rdh.Rettungsdienst Holstein) nach Lolland, wo sie gemeinsam mit mehr als 30 Führungs- und Einsatzkräften der dänischen Seite zwei Übungslagen auf Ebene der Einsatzleitung miterleben durften. Zum Auftakt führten die Gastgeber noch einmal in die Struktur des dänischen Krisenmanagements ein und erläuterten, wie Führung bei Schadenslagen seitens Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienst gegliedert ist und gelebt wird. Ein gemeinsames Frühstück bot Raum für persönlichen Austausch und damit genau die Gelegenheit zum gegenseitigen Kennenlernen, die FLASHLIGHT als zentralen Mehrwert versteht. Die deutsche Delegation erhielt so tiefe Einblicke in die dänische Führungsstruktur.

Intensive, interprofessionelle Diskussion bei der zweiten Übungslage am Führungsfahrzeug der dänischen Polizei. © studio85 / Universität zu Lübeck
Übung 1 – Brand auf der Insel Fejø
Die erste Lage spielte auf der Insel Fejø, die ausschließlich über eine rund 20-minütige Fährverbindung erreichbar ist und vor Ort nur über eine Handvoll freiwilliger Einsatzkräfte verfügt. Ein zunächst lokaler, von Aktivisten gelegter Brand weitete sich im Verlauf der Übung aus; hinzu kamen zu rettende und zu evakuierende Personen. Sowohl die Darstellung des Szenarios als auch die Steuerung der Übung überzeugten, ebenso wie die Abarbeitung durch die drei verschiedene Führungsstrukturen, die in permanenter Reevaluation und mit rechtzeitiger Allokation der fiktiv verfügbaren Ressourcen agierten. Dabei flossen auch Ideen aus der ersten Interreg-Übung auf Fehmarn ein, etwa der Einsatz von Verletztenkarten. Den Abschluss bildeten eine wertschätzende Feedback-Kultur und eine inhaltliche Evaluation.
Nach einem gemeinsamen Mittagessen folgte eine übergreifende Fortbildung der dänischen Beredskabsstyrelsen (DEMA).

Interprofessioneller Austausch zur Einsatzdokumentation am Führungsfahrzeug der dänischen Feuerwehr (Lolland-Falster Brandvæsen). © studio85 / Universität zu Lübeck
Übung 2 – Brennendes Ausflugsschiff auf dem Maribo Søndersø
Die zweite Lage verlegte das Geschehen an den Maribo Søndersø: Ein brennendes Ausflugsschiff mit bis zu 53 fiktiven Verletzten beziehungsweise betroffenen Passagieren stellte die Führungskräfte vor besondere Herausforderungen. Nach der Annäherung der Rettungskräfte kam eine zunächst unklare Lage hinzu. An Bord befanden sich, anfangs nicht erkennbar, mitgeführte Waffen. Zu bewältigen waren die Klärung der Waffensituation, die Einrichtung eines Verletztensammelplatzes und vor allem die Rettung der rund um den See verstreuten, sich teils selbstständig geretteten Passagiere. Auch hier schloss sich nach Übungsende eine ergänzende Feedbackrunde den zwischenzeitlich gewechselten Führungsstrukturen an.
(„Es ist eine seltene und zugleich spannende Gelegenheit, in so kurzer Folge so unterschiedliche Führungsstrukturen und Führungsstile unmittelbar nebeneinander zu erleben. Das Ziel von FLASHLIGHT ist es aber nicht allein, die Kommunikation über die Grenze hinweg zu stärken. Wir wollen die besten Eigenschaften beider Seiten des Fehmarnbelts identifizieren und vor allem voneinander lernen. Die Übungen dieser Woche geben uns dafür einen deutlichen Hinweis und einen belastbaren Anhaltspunkt.“
Klaas Franzen, Projektleiter FLASHLIGHT, Universität zu Lübeck
Für FLASHLIGHT markiert die Übungswoche einen wichtigen Meilenstein. Die unmittelbar aufeinanderfolgenden Übungen erlaubten einen direkten Vergleich verschiedener Führungsstrukturen und -kulturen und lieferten konkrete Anhaltspunkte für die weitere grenzüberschreitende Zusammenarbeit im Bevölkerungsschutz der Fehmarnbelt-Region. Die gewonnenen Erkenntnisse fließen direkt in die kommenden Projektformate mit u.a. den Übungen Ende September auf deutscher Seite sowie Ende Oktober auf dänischer Seite ein.













