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Online-Fortbildung des DFV informierte über Hintergrund und Technik von „nora“

Berlin – Es ist eine erschreckende Vorstellung: Es brennt in meiner Wohnung und ich kann keine Hilfe holen, da mich niemand versteht. Die Notruf-App „nora“ bietet Menschen mit Hör- und Sprachbehinderung seit letztem Herbst die Möglichkeit, Hilfe auch ohne ein Telefonat zu holen. Branddirektor Carsten Schneider, stellvertretender Leiter Feuerwehr und Rettungsdienst Bonn, war für die Feuerwehren als Mitglied der Expertengruppe Leitstellen und Notruf direkt bei der Entwicklung der neuen App dabei. Er berichtete nun in einer Online-Schulung des Deutschen Feuerwehrverbandes (DFV) von der Entwicklung und Verwendung des neuen Alarmierungsweges, der deutschlandweit eine direkte Verbindung in die Leitstellen von Feuerwehr/Rettungsdienst und Polizei bietet. 150 Personen nutzten die Gelegenheit zur kostenfreien Fortbildung.

Schneider berichtete praxisnah vom politischen Hintergrund und der technischen Realisierung der App-Entwicklung und erklärte den Zusammenhang mit den Forderungen nach gleichwertigen Kommunikationswegen aus EU-Universaldienstrichtlinie und UN-Behindertenrechtskonvention. Diese war über das bisherige Notruf-Fax nur unzureichend erfüllt. Mit der App bietet sich jetzt jedoch auch die Möglichkeit, flexibel etwa unterwegs einen Verkehrsunfall, einen medizinischen Notfall oder einen Brand zu melden. Herausforderungen in der Entwicklung waren nicht nur die technischen Anforderungen wie die Ausfallsicherheit oder die IT-Sicherheit, sondern auch die mögliche Parallelität der Ereignisse, wenn etwa bei einer flächendeckenden Unwetterkatastrophe viele Menschen parallel über die App einen Notruf absetzen wollen.

Mit wenigen Auswahloptionen dispositionsfähiges Ergebnis erzielen

„Die Notrufabfrage ist als sich verzweigender Baum in die App eingebaut. Mit maximal fünf Abfrageebenen, in denen jeweils wiederum höchstens fünf Auswahloptionen angeboten werden, wird ein dispositionsfähiges Ergebnis erzielt“, berichtete Schneider. Der Experte ist Mitglied im DFV-Fachausschuss „Leitstellen und Digitalisierung“. Während der Fortbildung führte er beispielhaft eine Abfrage mit anschließendem Chat zur Nachfrage durch die Leitstelle vor. In der App stellt der User nach dem Herunterladen ein, ob telefonische Rückfragen – etwa zum genauen Ort des brennenden Fahrzeugs – möglich sind.
Derzeit sind rund 200.000 Personen bei „nora“ registriert. Seit Einführung der App wurden gut 7.000 reale Notrufe über das System ausgelöst. Derzeit werden App-Notrufe in den Leitstellen über eine Web-Anwendung abgefragt. „Anfang nächsten Jahres soll die direkte Schnittstelle in die Leitstellensysteme kommen, so dass die Daten dort direkt abrufbar sind. Das ist möglicherweise auch für die Priorisierung von Einsätzen etwa bei größeren Flächenlagen interessant“, erläuterte der Branddirektor und betonte, dass hierbei allerdings viel Fingerspitzengefühl nötig sei.

Schneider beantwortete die Rückfragen von Teilnehmern der DFV-Onlinefortbildung. Er erklärte unter anderem, dass die App derzeit auf Deutsch und Englisch (ohne Chat) verfügbar ist und die Nutzung ohne vorhandenes Datenvolumen des Users nicht möglich ist. Der Experte verwies zudem auf die Webseite www.nora-notruf.de, auf der zahlreiche Informationen rund um die Notruf-App verfügbar sind.

Jetzt anmelden für nächste DFV-Online-Fortbildung

Die nächste kostenfreie Online-Fortbildung des Deutschen Feuerwehrverbandes findet am Mittwoch, 20. April 2022, von 18 bis 19 Uhr statt. Referent ist Frieder Kircher, Vorsitzender des Gemeinsamen Ausschusses Brandschutzerziehung und Brandschutzaufklärung des Deutschen Feuerwehrverbandes und der Vereinigung zur Förderung des Deutschen Brandschutzes. Er widmet sich der Frage, wie die Brandschutzerziehung zum richtigen Verhalten in Katastrophenlagen beitragen kann. Die Anmeldung ist bereits jetzt möglich unter https://www.feuerwehrverband.de/veranstaltung/onlinefortbildung-brandschutzerziehung-fuer-katastrophenfall/.

 

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