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Interdisziplinär besetzter Round Table in Rottenburg am Neckar

Rottenburg a. N., 20. Februar 2026 – Die zunehmende Dynamik von Wald- und Vegetationsbränden infolge klimatischer Veränderungen stellt Einsatzkräfte, Waldbesitzerinnen, Waldbesitzer und Entscheidungsträger auch in Mitteleuropa vor neue Herausforderungen. Vor diesem Hintergrund widmete sich ein interdisziplinär besetzter Round Table am 20. Februar 2026 in Rottenburg am Neckar der Frage, welche Rolle luftgestützte Maßnahmen künftig in Deutschland spielen können und wie sich internationale Erfahrungen sinnvoll auf andere Verhältnisse übertragen lassen. Veranstaltet wurde der Round Table durch das Forest Fire Fighting Laboratory (FFFLab), eine 2025 gegründete Kooperation der Hochschule für Forstwirtschaft Rottenburg und der Feuerwehr Reutlingen, die den Wissenstransfer zwischen „Wald und Wehr“ sowie die Entwicklung innovativer Ansätze in der Vegetationsbrandprävention und -bekämpfung zum Ziel hat.

Forest FireFighting Laboratory (FFFLab)

Bild: FFF-Lab

Rund 200 Teilnehmende aus dem gesamten Bundesgebiet sowie aus dem benachbarten Ausland nahmen in Präsenz und online teil. Vertreten waren Feuerwehren aller Führungsebenen, Landesforstbetriebe, Forstverwaltungen, Polizeihubschrauberstaffeln, Bundeswehr, Katastrophenschutzorganisationen wie das THW, der DFV und spezialisierte Waldbrandeinheiten, ebenso Behörden, Forschungseinrichtungen und Unternehmen der Luftfahrt- und Löschtechnikbranche. Diese breite Zusammensetzung spiegelt den Anspruch wider, luftgestützte Vegetationsbrandbekämpfung nicht als singuläre Aufgabe einzelner Organisationen zu betrachten, sondern als komplexes Gesamtsystem aus Taktik, Technik, Logistik, und Ausbildung.

Zum Auftakt betonten Stefan Hermann, Feuerwehrkommandant der Feuerwehr Reutlingen, und Professor Dirk Wolff von der Hochschule für Forstwirtschaft Rottenburg die wachsende Relevanz des Themas. Während Luftunterstützung bei Vegetationsbränden in vielen Ländern seit Jahren fester Bestandteil der Gefahrenabwehr ist, befindet sich Deutschland noch in einer Phase des strukturierten Aufbaus. Das große Interesse aus Praxis und Forschung, welches sich bereits in Projektanfragen an das FFFLab gezeigt hatte, hat auch den Impuls für die Durchführung des Round Tables gegeben.

Forest FireFighting Laboratory (FFFLab)

Bild: FFF-Lab

Erster Themenblock zu operativen Erfahrungen und organisatorischen Rahmenbedingungen.

Die Fachvorträge des ersten Themenblocks widmeten sich operativen Erfahrungen und organisatorischen Rahmenbedingungen. Stephan Brust von der Staatlichen Feuerwehrschule Würzburg stellte das bayerische Flughelfersystem vor und zeigte auf, welche Qualifikationen und Ausbildungsstrukturen notwendig sind, um Luftfahrzeuge sicher und effektiv in die Brandbekämpfung einzubinden. Dr. Martin Schmid von @Fire Internationaler Katastrophenschutz verdeutlichte anhand konkreter Einsatzszenarien, wie mit steigender Zahl eingesetzter Hubschrauber die  Komplexität der Führungsorganisation erheblich zunimmt. Luftoperationen erfordern demnach klar definierte Einsatzabschnittsleitungen, abgestimmte Kommunikationsstrukturen sowie eine frühzeitige logistische Planung – etwa hinsichtlich Treibstoffversorgung, Bereitstellungsräumen und Nachforderungswegen. Versäumnisse in der Anfangsphase könnten einen ganzen Einsatztag kosten und damit den taktischen Erfolg maßgeblich beeinflussen.

Einblicke in staatliche Luftfahrtsysteme gaben Stephan Gundling von der Polizeihubschrauberstaffel Baden-Württemberg und Florian Geisler vom Transporthubschrauberregiment 30 der Bundeswehr. Während Polizeihubschrauber bereits heute wertvolle Unterstützungsleistungen, etwa bei Erkundung, Führung oder begrenztem Löschmitteleinsatz erbringen können, gehört die klassische Waldbrandbekämpfung bislang nicht zu ihrem originären Aufgabenspektrum. Dennoch bereitet sich die Polizei zunehmend auf zukünftige Einsatzlagen in diesem Bereich vor und verfügt  regional unterschiedlich über diverse Einsatzerfahrungen in der Brandbekämpfung. Dabei spielt neben den Länderstaffel auch die Bundespolizei eine wesentliche Rolle. Die Bundeswehr verfügt demgegenüber über größere Transportkapazitäten, unterliegt jedoch klar geregelten Anforderungsverfahren über die Landeskommandos. Einschränkungen bestehen beispielsweise bei Nachtflügen, die nur unter besonderen Voraussetzungen und nach vorheriger Erkundung möglich sind.

Forest FireFighting Laboratory (FFFLab)

Bild: FFF-Lab

Blick über Deutschland hinaus im zweiten Themenblock.

Der zweite Themenblock öffnete bewusst den Blick über Deutschland hinaus. Gerhard Schöpf vom Landes-Feuerwehrverband Tirol stellte das in Österreich abgestimmte Vorgehen beim Einsatz von Netzmitteln vor. Diese Zusätze verbessern das Eindringen von Wasser in organische Brandlasten und erhöhen so die Löschwirkung, erfordern jedoch klare Entscheidungsgrundlagen und Umweltbewertungen. Philippe Telle, Geschäftsführer des Technologieunternehmens Caurus, präsentierte sensorbasierte Systeme, die zwischen Außenlastbehälter und Lastseil installiert werden können und während des Einsatzes Daten zur Abwurfpräzision und Effizienz liefern. Solche Ansätze könnten künftig eine datenbasierte Optimierung luftgestützter Maßnahmen ermöglichen. Ante Ivanovic von der kroatischen Feuerwehrschule VACETRAS erläuterte schließlich das dort etablierte System mit speziell vorgehaltenen Löschflugzeugen und einer engen Kooperation zwischen Feuerwehr und Militär, wodurch in den Sommermonaten sehr kurze Reaktionszeiten erreicht werden.

Forest FireFighting Laboratory (FFFLab)

Bild: FFF-Lab

Luftunterstützung spielt entscheidende und klar einzuordnende Rolle.

In der abschließenden Diskussion wurde deutlich, dass Luftunterstützung bei Vegetationsbränden eine entscheidende, jedoch klar einzuordnende Rolle spielt. Sie dient vor allem der schnellen Erstwirkung, der Begrenzung der Brandausbreitung und der Unterstützung in schwer zugänglichem Gelände. Die vollständige Brandbekämpfung bleibt in aller Regel Aufgabe der Bodeneinheiten. Für Deutschland sehen viele Fachleute derzeit den Hubschrauber als vorrangiges Einsatzmittel, da er vergleichsweise flexibel verfügbar ist und neben Wasserabwürfen auch Transport- und Führungsaufgaben übernehmen kann. Der Einsatz spezialisierter Löschflugzeuge wird hingegen eher als regional sinnvolle Ergänzung unter bestimmten geografischen und infrastrukturellen Bedingungen bewertet.

Gleichzeitig zeigte sich ein erheblicher weiterer Klärungsbedarf, etwa hinsichtlich standardisierter Führungsmodelle, der Integration unbemannter Luftfahrtsysteme, der Bewertung von Löschmittelzusätzen oder der Frage, wie Ausbildung und Übungen organisationsübergreifend gestaltet
werden können. Genau hier sieht das FFFLab seine zukünftige Rolle: als Plattform zur Vernetzung von Anwendern und Forschung, zur Förderung innovativer Projekte sowie perspektivisch auch zur Entwicklung zielgruppenspezifischer Fortbildungsangebote.

Forest FireFighting Laboratory (FFFLab)

Bild: FFF-Lab

Der Round Table machte damit deutlich, dass luftgestützte Vegetationsbrandbekämpfung in Deutschland kein kurzfristiger Trend, sondern ein strategisches Zukunftsthema ist, das nur durch interdisziplinäre Zusammenarbeit, wissenschaftliche Begleitung und praktische Erprobung nachhaltig etabliert werden kann. Weitere Fachdialoge sind bereits vorgesehen, um die begonnenen Ansätze zu vertiefen und schrittweise in belastbare Einsatzkonzepte zu überführen.

Oliver Kohler, Hochschule für Forstwirtschaft Rottenburg und Feuerwehr Reutlingen

Was ist das FFFLab?

Die DATIpilot Innovationscommunity “ForestFireFighting TransferLaboratory“ (kurz FFFLab) möchte den Innovations- und Wissenstransfer zwischen Wehr und Wald verbessern und die Effizienz bei Waldbrandeinsätzen steigern. Dafür wurde zum Jahresbeginn 2025 von der Hochschule für Forstwirtschaft in Rottenburg und der Berufsfeuerwehr Reutlingen ein gemeinsames Zentrum für ihre Zusammenarbeit rund um das Thema Wald- und Vegetationsbrände gegründet.

Die klimatischen Veränderungen und deren Auswirkungen auf die Entstehung und Ausbreitung von Waldbränden waren die Anlässe für diese Initiative. Die Stärkung ihrer Zusammenarbeit, die Einbindung möglichst vieler weiterer Akteure – auch über die Feuerwehren und die Waldwirtschaft hinaus –, die Beschleunigung von Innovationen zur Waldbrandprävention und deren Bekämpfung, sowie deren möglichst rasche öffentliche Bekanntmachung, sind wichtige Ziele des FFF-Lab.

Fachforum im Herbst 2025

Fachforum Feuer & Wald des Forest Fire Fighting Laboratory (FFFLab)

 

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