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Round Table des FFFLab bringt Fachleute aus ganz Deutschland zusammen

Rottenburg a. N., 27. Februar 2026 – Die zunehmende Häufigkeit und Intensität von Vegetationsbränden rückt nicht nur die Brandbekämpfung, sondern auch die vorbeugenden Maßnahmen stärker in den Fokus von Forstwirtschaft, Behörden und Einsatzorganisationen. Vor diesem Hintergrund veranstaltete das Forest Fire Fighting Laboratory (FFFLab) am 27. Februar 2026 in Rottenburg am Neckar einen Round Table zum Thema „Waldbrandprävention im Forst“. Die Veranstaltung brachte rund 115 Fachleute aus Forstwirtschaft, Feuerwehr, Verwaltung, Wissenschaft und Industrie zusammen und bot eine Plattform für den interdisziplinären Austausch zu präventiven Strategien im Umgang mit Vegetationsbrandrisiken.

Das FFFLab ist eine gemeinsame Initiative der Hochschule für Forstwirtschaft Rottenburg und der Feuerwehr Reutlingen, die Anfang 2025 gegründet wurde, um Forschung, Praxis und Innovation im Bereich Wald- und Vegetationsbrand stärker miteinander zu vernetzen. Ziel ist es, Wissen aus den Bereichen „Wald und Wehr“ zusammenzuführen, Innovationen zu fördern und langfristig auch neue Aus- und Fortbildungsformate für Forst und Feuerwehr zu entwickeln.

Die Veranstaltung wurde durch Prof. Dr. Dirk Wolff von der Hochschule für Forstwirtschaft Rottenburg eröffnet. Er betonte, dass Vegetationsbrände häufig erst dann in der öffentlichen Wahrnehmung erscheinen, wenn bereits großflächige Brände ausgebrochen sind und Einsatzkräfte gegen die Flammen kämpfen. Mindestens ebenso wichtig sei jedoch die präventive Perspektive: strukturelle Maßnahmen im Wald, organisatorische Vorbereitung sowie Strategien für Wiederaufbau und Nachsorge nach einem Brand.

Prof. Dr. Teja Kattenborn

Prof. Dr. Teja Kattenborn. Bild: FFF-Lab

Aktuelle Entwicklungen der Fernerkundung im Impulsvortrag von Prof. Dr. Teja Kattenborn

Den fachlichen Einstieg in das Thema lieferte ein Impulsvortrag von Prof. Dr. Teja Kattenborn von der Universität Freiburg (Fakultät für Umwelt und natürliche Ressourcen). Er stellte aktuelle Entwicklungen der Fernerkundung vor und zeigte auf, wie Satelliten-, Luftbild- und Drohnendaten künftig stärker zur Bewertung von Waldbrandrisiken genutzt werden können. Eine zentrale Herausforderung bestehe darin, großflächig verlässliche Informationen über den tatsächlichen Zustand von Waldflächen zu gewinnen – etwa über Totholzanteile, Verjüngungsstrukturen oder die aktuelle Vegetationsdichte.

Während Satelliten eine flächendeckende Datengrundlage liefern können, sind hochauflösende Drohnenaufnahmen notwendig, um Referenzdaten für die Modellierung und das Training von KI-gestützten Analysesystemen zu erzeugen. Projekte wie die gemeinsam mit dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt entwickelte Plattform „Deadtrees.earth“ sollen künftig dazu beitragen, Waldzustände systematisch zu erfassen und daraus Prognosen über Brandrisiken oder Ausbreitungsdynamiken abzuleiten.

Torsten Stark (l), Norman Barth (m), Prof. Dr. Dirk Wolff (r)

Torsten Stark (l), Norman Barth (m), Prof. Dr. Dirk Wolff (r). Bild: FFF-Lab

Im zweiten Themenblock rückten konkrete Möglichkeiten des präventiven Waldbrandschutzes in den Mittelpunkt. Norman Barth vom Waldbrandkompetenzzentrum Brandenburg stellte dabei ein umfassendes Konzept vor, das bauliche, technische und organisatorische Maßnahmen miteinander verbindet. Zu den baulichen Maßnahmen zählen etwa die Anlage und Pflege von Löschwasserentnahmestellen, geeignete Wegeinfrastrukturen sowie sogenannte Riegel- und Schutzstreifen im Wald. Ergänzend dazu gewinnen technische Lösungen wie Sensornetzwerke zur Ferndetektion von Bränden oder Systeme zum kontinuierlichen Waldzustandsmonitoring zunehmend an Bedeutung. Ebenso wichtig sind organisatorische Aspekte, etwa die Erstellung standardisierter Waldbrandeinsatzkarten oder die Kennzeichnung besonderer Gefahrenstellen. Barth betonte, dass ein wirksamer Waldbrandschutz stets eine ganzheitliche Betrachtung erfordere, die sowohl forstwirtschaftliche Bewirtschaftungsstrategien als auch rechtliche Rahmenbedingungen der Gefahrenabwehr und der Raumplanung berücksichtigt.

Ein praktisches Beispiel für die Umsetzung eines solchen Ansatzes stellte Torsten Stark, Revierleiter im Revier Hartheim, vor. Er erläuterte am konkreten Beispiel wie ein Waldbrandschutzkonzept entwickelt werden kann. Grundlage sei eine umfassende Analyse verschiedener Faktoren wie Klima, Topographie, Vegetationsstruktur, Infrastruktur oder Nutzungsformen der Fläche. In seinem Revier spielen beispielsweise ein angrenzender Truppenübungsplatz, stark frequentierte Parkplätze sowie hohe Anteile an Heckenstrukturen und Totholz eine wichtige Rolle für das Brandrisiko. Entsprechend vielfältig seien die Maßnahmen: von Öffentlichkeitsarbeit und Waldpädagogik über Warnschilder und Informationsangebote bis hin zur Sicherstellung der Zugänglichkeit von Wasserentnahmestellen oder der Bereitstellung von Löschwerkzeugen für Waldarbeiter und Waldarbeiterinnen. Gleichzeitig berichtete Stark von positiven Effekten vieler Präventionsmaßnahmen, etwa durch die Förderung strukturreicher, lichtdurchlässiger Waldbestände, die auch aus Naturschutzsicht Vorteile bieten können.

Möglichkeiten des Wissenstransfers und der Weiterentwicklung präventiver Strategien

Im Anschluss diskutierten die Teilnehmenden in einer Podiumsrunde unter Moderation von Prof. Dr. Dr. h.c. Bastian Kaiser, Rektor der Hochschule für Forstwirtschaft Rottenburg, über Möglichkeiten des Wissenstransfers und der Weiterentwicklung präventiver Strategien. Ein wichtiger Diskussionspunkt war die Frage, welche Rolle unterschiedliche Bewertungen des Waldes – etwa als Wirtschaftsraum, Lebensraum für Arten oder Erholungsgebiet – für Entscheidungen im Brandfall spielen. Vertreter aus der Feuerwehrpraxis berichteten beispielsweise aus Brandenburg, dass Einsatzkräfte den brennenden Wald zunehmend auch als schützenswertes Ökosystem betrachten und entsprechende taktische Entscheidungen daran ausrichten.

Torsten Stark und Prof. Dr. Dirk. Wolff

Torsten Stark und Prof. Dr. Dirk. Wolff. Bild: FFF-Lab

Unterstützungsmöglichkeiten zur Entwicklung von Präventionskonzepten

Ein weiterer Schwerpunkt der Diskussion lag auf der Frage, wie Forstleute und Waldbesitzende bei der Entwicklung von Präventionskonzepten besser unterstützt werden können. Zwar existiere inzwischen eine umfangreiche Fachliteratur zum Thema Waldbrandprävention, doch fehle im Arbeitsalltag häufig die Zeit, dieses Wissen systematisch aufzubereiten und in konkrete Maßnahmen zu überführen. Auch die Finanzierung präventiver Infrastrukturmaßnahmen wurde angesprochen. Während in einigen Bundesländern Förderprogramme etwa für Löschwasserbrunnen oder Zisternen existieren, sind solche Maßnahmen vielerorts für einzelne Waldbesitzer nur schwer finanzierbar.

Die Teilnehmerstruktur des Round Tables spiegelte den interdisziplinären Charakter des Themas wider. Neben zahlreichen Forstrevierleitern und -leiterinnen aus verschiedenen Bundesländern nahmen Vertreterinnen und Vertreter von Landratsämtern, Regierungspräsidien und
Landesforstverwaltungen teil. Ebenso waren Berufs- und Freiwillige Feuerwehren, Waldbrandspezialisten und -spezialistinnen aus unterschiedlichen Institutionen sowie Vertreter und Vertreterinnen aus der Industrie vertreten.

Torsten Stark

Torsten Stark. Bild: FFF-Lab

Die Diskussionen machten deutlich, dass Waldbrandprävention im Forst weit über einzelne technische Maßnahmen hinausgeht. Sie umfasst Fragen der Waldbewirtschaftung, der Infrastruktur, der Datenanalyse und der Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Institutionen. Gleichzeitig wurde deutlich, dass der Aufbau belastbarer Präventionsstrukturen nur im engen Austausch zwischen Forst, Feuerwehr, Forschung und Verwaltung gelingen kann.

Mit dem Round Table „Waldbrandprävention im Forst“ setzte das FFFLab einen weiteren wichtigen Impuls für den fachlichen Dialog im Bereich des Vegetationsbrandmanagements. Die Veranstaltung zeigte, dass das Thema zunehmend an Bedeutung gewinnt und dass ein wachsender Bedarf besteht, wissenschaftliche Erkenntnisse, praktische Erfahrungen und innovative Technologien enger miteinander zu verknüpfen.

Oliver Kohler, Hochschule für Forstwirtschaft Rottenburg

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